Der Lockdown hat uns wieder. Seit gut eineinhalb Wochen. Doch einige Dinge sind anders als im Frühjahr. Obwohl es Ausgangsbeschränkungen gibt – mit großzügigen Ausnahmen – merkt man auf der Straße nicht wirklich was davon. Es wird übersiedelt, gebohrt, gehämmert als gäbe es kein Morgen.
Gut, vielleicht gibt es auch keins.
Auch sind mir noch keine testosteronstrotzenden Typen aufgefallen, die sich in der Drogerie oder im Supermarkt, zwischen Damenbinden und Strumpfhosen, um zehn Rollen Häuslpapier geprügelt hätten.

Die Wirtshäuser dürfen auskochen und das Essen darf abgeholt werden. Buchhandlungen müssen geschlossen bleiben. Bestellte Bücher können gar nicht abgeholt werden. – Klar. Lesen, Wissen und Bildung sind gefährlich. Möglicherweise sogar schädlich. Gerade während einer Pandemie. Ein Trend, der weltweit zunehmend um sich zu greifen scheint. (Auf eine entsprechende Studie der Bundesregierung wird demnächst hier verwiesen werden.) Was, wenn sich jemand ein Sachbuch eines Experten Viren betreffend zulegen möchte? In kürzester Zeit hätte der Käufer die Inkompetenz der Regierung entlarvt. Und nicht nur der unseren.
Waffengeschäfte dürfen offenhalten. Gut, versteh ich. Es wäre auch mehr als lästig, wollte man seine bessere Hälfte um die Ecken bringen, an einer Schule Amok laufen oder gar terroristisch anschlagen, müsste man drei bis vier Wochen warten, bis der Lockdown vorbei ist. Das ist Mann und auch Frau beim besten Willen nicht zuzumuten. Dann erfuhr ich, dass nur Personen, die beruflich eine Waffe brauchen, eine solche auch kaufen dürfen. Also Profis – Profikiller, Profiamokläufer, Profiterroristen.


Digitales Lernen, so hieß es in letzter Zeit immer öfter, sei nicht nur ein Traum, sondern auch die Zukunft. So versuchte man, es uns zumindest einzureden. Nun ist die Pandemie nicht nur hinterhältig, sondern obendrein auch gemein und zeigt uns, wie wertvoll und wichtig der gute alte analoge Unterricht ist, bei dem noch ein leibhaftiger unterbezahlter Mensch vorne steht und den Schülern, die zumindest körperlich anwesend sein müssen, Wissen vermittelt.
Kürzlich war erst ein Clown im Radio der Meinung, die Bildung leide nicht unter der Pandemie, da es ohnehin Fernunterricht gäbe. Leute, die nur deshalb an der Stelle sitzen, wo sie sitzen – und da gibt es in Österreich einige sehr viel hässlichere Möglichkeiten, als Vitamin B –, sollten sich, wenn sie weder von der Sache Ahnung haben, noch fähig sind, ein minimales Quäntchen an Hausverstand zu aktivieren, aus der Sache raushalten.
Die beste Artikulation nützt nichts, wenn der Inhalt nur aus gequirlter Scheiße besteht.
Aber die Dinge, die aus den Medien auf uns einprasseln, scheinen System zu haben.
Nein, selbstverständlich geht es nicht um die Abschaffung der Demokratie.
Aber, wenn wir es merken, ist es bereits zu spät.


Prof. Dr. Wolfgang Merkel, Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität Berlin, sagte im Radio, dass Demokratie immer auch mit Bildung zu hat. In Ländern mit den geringsten Bildungsunterschieden gäbe es die bestfunktionierendsten Demokratien. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Für alle, die glauben, dass es nicht mehr schlimmer geht, möchte ich den Autor und promovierten Meeresbiologen Peter Watts zitieren:


»… This isn’t a single big-name stadium concert after all, and COVID-19 isn’t the Main Act. This is a festival: an epidemiological Woodstock with no expiration date. COVID—like SARS and MERS and the various flus before it— is only the beginning. And if history is any judge, future acts will come increasingly thick and fast.
Brace yourselves. You ain’t seen nothing yet.«

One thought on “bizarres – lockdown 2

  1. John Aysa says:

    Liebe Kristina!

    Selbstverständlich darf man essen, aber nicht lesen. Das ist eine Variation von Brot und Spiele, spielen mit Brot. Bloß nicht zulassen, dass die Leute aus irgendeinem Grund anfangen zu denken. Voller Magen hat kein Blut für Hirn und damit für Denken übrig. Ganz einfach.
    Sonst könnte man bemerken, dass doch europaweit mit dieser ach so praktischen Pandemie überall Rechte beschnitten und Demokratie ausgehöhlt wird. Man braucht nur aufmerksam zusehen, was angewiesen, zurückgenommen, revidiert neuerlich angewiesen wird. Ein Schelm, wer meint, all diese Änderungen werden irgendwann wieder rückgängig gemacht.

    Dr. Merkel ist ein Zyniker. Man betrachte das Niveau so mancher Politiker und versuche daraus, die Funktionaität der Demokratie abzuleiten ;-).

    Lieben Gruß
    John

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